Tarot · Große Arkana · II
Die Hohepriesterin: Bedeutung der Tarotkarte
Die Hohepriesterin beschreibt das, was man weiß, ohne es beweisen zu können. Intuition, Verborgenes, Abwarten: Das sind die Stichworte, die die Tradition dieser Karte gibt. Was sie beschreibt, aufrecht und umgekehrt, in der Liebe, im Beruf und als Tageskarte, steht hier — gelesen als Beschreibung einer Lage, nicht als Vorhersage.
Das Bild
Was auf der Karte zu sehen ist
Eine sitzende Frau zwischen zwei Säulen, einer schwarzen und einer weißen, vor einem Vorhang mit Granatäpfeln. Auf dem Schoß eine Schriftrolle, zu Füßen eine Mondsichel. So zeigt es das Rider-Waite-Smith-Deck von 1909, das in Deutschland am weitesten verbreitet ist; ältere Decks bilden die Szene anders ab, und die Deutung ist an vielen Stellen erst mit diesem Bild entstanden.
Die Deutung
Die Hohepriesterin aufrecht und umgekehrt
Aufrecht
Die Hohepriesterin beschreibt das, was man weiß, ohne es beweisen zu können. Die Karte steht für Intuition, für Wissen, das noch nicht ausgesprochen werden will, und für eine Phase, in der Abwarten mehr bringt als Handeln. Hinter ihrem Vorhang liegt etwas, das noch nicht sichtbar ist, und die Karte rät nicht, ihn aufzureißen. In einer Legung beschreibt sie oft, dass eine Sache noch nicht entschieden werden kann, weil ein Teil der Wahrheit fehlt, und dass dieser Teil sich zeigt, wenn man still bleibt.
Die Hohepriesterin sagt nichts. Sie wartet, bis du es selbst hörst.
Umgekehrt
Umgekehrt beschreibt die Hohepriesterin die überhörte Intuition: das Gefühl, das da war und weggeredet wurde. Sie kann auch Geheimnisse beschreiben, die belasten, Verschwiegenheit, die zur Isolation wird, oder eine Neigung, sich in Ahnungen zu verlieren, statt etwas zu tun. Die Frage, die sie dann stellt: Was habe ich gewusst, bevor ich mich entschieden habe, es nicht zu wissen?
Nach Lebensbereich
Die Hohepriesterin in der Liebe, im Beruf und als Tageskarte
In der Liebe
In Beziehungsfragen beschreibt die Hohepriesterin das Unausgesprochene: eine Anziehung, die noch niemand benennt, oder ein Geheimnis, das zwischen zwei Menschen steht. Sie rät zum Hinhören, nicht zum Nachbohren.
Im Beruf
Beruflich steht die Karte für Wissen, das noch nicht geteilt werden sollte, und für Entscheidungen, die reifen müssen. Nicht die Karte für schnelle Zusagen.
Als Tageskarte
Als Tageskarte beschreibt die Hohepriesterin einen Tag, an dem das erste Gefühl zu einer Sache richtiger liegt als die zweite Überlegung. Die Frage des Tages: Was weiß ich schon, und tue so, als wüsste ich es nicht? Eine Karte für heute ziehen: Tageskarte ziehen.
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Einordnung
Woher die Deutung stammt und wo sie aufhört
Tarot ist kein Teil der Astrologie, sondern ein eigenes Deutungssystem mit eigener Geschichte: Die Karten entstanden im 15. Jahrhundert in Norditalien als Spiel, die Deutung als Orakel kam erst im späten 18. Jahrhundert dazu, und die Bilder, an denen sich die heutige Deutung orientiert, stammen von 1909. Nichts davon ist überprüfbar im Sinne einer Wissenschaft; die Karten wissen nichts über dich. Was sie leisten, ist etwas anderes: Sie geben einer Lage ein Bild und eine Sprache, und an beidem lässt sich prüfen, ob etwas dran ist. Wie wir lesen, steht auf der Tarot-Übersicht.
Wenn es gerade schwer ist
Wenn dich eine Trennung, ein Verlust oder eine anhaltende Belastung hierher gebracht hat: Eine Karte kann ein Anlass zum Nachdenken sein, sie ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.
Häufige Fragen zur Karte Die Hohepriesterin
Was bedeutet die Tarotkarte Die Hohepriesterin?
Die Hohepriesterin beschreibt Intuition, verborgenes Wissen und eine Phase, in der Abwarten mehr bringt als Handeln. Sie beschreibt, dass ein Teil der Wahrheit noch nicht sichtbar ist, nicht, was er enthält.
Was bedeutet Die Hohepriesterin umgekehrt?
Umgekehrt beschreibt sie die überhörte Intuition, belastende Geheimnisse oder ein Verlieren in Ahnungen ohne Handlung. Die Frage lautet dann, was man gewusst hat, bevor man beschlossen hat, es nicht zu wissen.
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Die Karten daneben
Verfasst von Monika Marbach · Stand 5. September 2026