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Tarot · Große Arkana · XX

Das Gericht: Bedeutung der Tarotkarte

Das Gericht beschreibt einen Ruf, den man nicht überhören kann: die Erkenntnis, wofür man gelebt hat und wofür man leben will. Erwachen, Bilanz, Berufung: Das sind die Stichworte, die die Tradition dieser Karte gibt. Was sie beschreibt, aufrecht und umgekehrt, in der Liebe, im Beruf und als Tageskarte, steht hier — gelesen als Beschreibung einer Lage, nicht als Vorhersage.

Das Bild

Was auf der Karte zu sehen ist

Ein Engel bläst eine Posaune, darunter steigen Menschen aus Särgen und heben die Arme. Im Hintergrund Berge und Wasser. So zeigt es das Rider-Waite-Smith-Deck von 1909, das in Deutschland am weitesten verbreitet ist; ältere Decks bilden die Szene anders ab, und die Deutung ist an vielen Stellen erst mit diesem Bild entstanden.

Die Deutung

Das Gericht aufrecht und umgekehrt

Aufrecht

Das Gericht beschreibt einen Ruf, den man nicht überhören kann: die Erkenntnis, wofür man gelebt hat und wofür man leben will. Die Karte steht für Erwachen, Bilanz, Vergebung und für eine Berufung im weiten Sinn, den Moment, in dem etwas Altes abgeschlossen und etwas Wesentliches erkannt wird. Die Menschen steigen aus den Särgen, in denen sie gelegen haben, ohne tot gewesen zu sein. In einer Legung markiert das Gericht oft eine Entscheidung, die sich nicht mehr vertagen lässt, weil man weiß, was richtig ist.

Das Gericht urteilt nicht. Es weckt.

Umgekehrt

Umgekehrt beschreibt das Gericht den überhörten Ruf: Selbstzweifel, das Verharren im Sarg, Schuldgefühle, die keine Bilanz zulassen, oder ein Urteil über sich selbst, das härter ist als jedes von außen. Es kann auch beschreiben, dass jemand den Moment der Erkenntnis kennt und so tut, als sei er nicht gekommen. Die Frage, die es dann stellt: Was habe ich längst verstanden, und lebe trotzdem, als wüsste ich es nicht?

Nach Lebensbereich

Das Gericht in der Liebe, im Beruf und als Tageskarte

In der Liebe

In Beziehungsfragen beschreibt das Gericht Klärung, Vergebung, die Entscheidung für oder gegen einen gemeinsamen Weg, aus Erkenntnis statt aus Angst. Umgekehrt: alte Schuld, die jede Klärung verhindert.

Im Beruf

Beruflich steht die Karte für Berufung, Neuorientierung aus Einsicht und für Bilanz: Was hat getragen, was nicht.

Als Tageskarte

Als Tageskarte beschreibt das Gericht einen Tag, an dem etwas klar werden kann, das lange offen war. Die Frage des Tages: Welchen Ruf überhöre ich gerade, weil er Konsequenzen hätte? Eine Karte für heute ziehen: Tageskarte ziehen.

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Einordnung

Woher die Deutung stammt und wo sie aufhört

Tarot ist kein Teil der Astrologie, sondern ein eigenes Deutungssystem mit eigener Geschichte: Die Karten entstanden im 15. Jahrhundert in Norditalien als Spiel, die Deutung als Orakel kam erst im späten 18. Jahrhundert dazu, und die Bilder, an denen sich die heutige Deutung orientiert, stammen von 1909. Nichts davon ist überprüfbar im Sinne einer Wissenschaft; die Karten wissen nichts über dich. Was sie leisten, ist etwas anderes: Sie geben einer Lage ein Bild und eine Sprache, und an beidem lässt sich prüfen, ob etwas dran ist. Wie wir lesen, steht auf der Tarot-Übersicht.

Wenn es gerade schwer ist

Wenn dich eine Trennung, ein Verlust oder eine anhaltende Belastung hierher gebracht hat: Eine Karte kann ein Anlass zum Nachdenken sein, sie ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Häufige Fragen zur Karte Das Gericht

Was bedeutet die Tarotkarte Das Gericht?

Das Gericht beschreibt Erwachen, Bilanz, Vergebung und Berufung: den Moment, in dem man erkennt, wofür man leben will. Die Karte beschreibt eine Erkenntnis, kein Urteil und kein Ereignis.

Was bedeutet Das Gericht umgekehrt?

Umgekehrt beschreibt es den überhörten Ruf, Selbstzweifel, Schuldgefühle, ein hartes Urteil über sich selbst. Die Frage lautet, was man längst verstanden hat und trotzdem nicht lebt.

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Die Karten daneben

Verfasst von Monika Marbach · Stand 5. September 2026